Obwohl Napoleon ein Heer von dreißigtausend Mann unter Admiral Leclerc schickte: Die Unabhängigkeit Santo Domingos war nicht zu verhindern. Danach versank das heutige Haiti in inneren Wirren, ein lästiger Konkurrent verschwand vom Kaffeemarkt - dem Markt, dem sich Brasilien noch nachhaltiger widmete, als die Europäer in der Folge der Napoleonischen Kontinentalsperre ihren Zucker nicht mehr importierten, sondern aus Runkelrüben gewannen, sich aber nicht an den aus Zichorie gewonnenen "Ersatzkaffee" gewöhnen wollten. Brasilien fuhr die Rohrzuckerproduktion zurück, intensivierte die Kaffeeproduktion, zumal es auch auf die USA als Abnehmer hoffte, die erst kürzlich während der "Boston tea party" die Engländer mitsamt ihrem Tee ins Meer geworfen hatten.
Wieder war es Napoleon, der Brasilien und seinem Kaffeeanbau einen Dienst erwies. Seine Eilmärsche quer durch die iberische Halbinsel zwangen den portugiesischen König Joao V. mit Familie und Hofstaat 1807 ins Exil: Rio de Janeiro wurde Hauptstadt, koloniale Handelsbeschränkungen fielen. Nach der Rückkehr des Königs nach Lissabon rief der als Prinzregent eingesetzte Sohn Pedro I. am 7.6.1822 das Kaiserreich aus und sicherte dem Land seine Souveränität. Pedro II. erfüllte diese mit Leben, installierte eine der fortschrittlichsten Verfassungen der damaligen Zeit, baute Häfen wie in Santos für die Verschiffung des Kaffees. Und Eisenbahnlinien für den Antransport aus den Anbaugebieten in Minas Gerais, Sao Paulo, Parana und Bahia. Kurz, er schuf die Infrastruktur, die Brasilien endgültig zum weltgrößten Kaffeeproduzenten machte. Und der Kaffee entpuppte sich als dynamischer Motor der Ökonomie, dem die Abschaffung der Sklaverei nicht ernstlich geschadet hat. Zwar führte das "lei de ventre livre und lei aurea" zur Krise und zum Ende des Kaiserreiches. Es führte dafür zu einer qualitativen Steigerung bei der Kaffeeproduktion, zumal den zahlenmäßigen Verlust an Arbeitskräften Einwanderer aus aller Herren Länder mehr als reichlich wett machten. Die Zahl von heute mehr als 220.000 Fazendas mit einer Durchschnittsgröße von 10 Hektar zeugt von einer gesunden Umstrukturierung des früher fast feudalen Systems.
|